Ammenmärchen

  • Keine neue Milch auf alte Milch! Stillabstände von mindestens 2 Stunden einhalten.

Der Aberglaube ein Baby könnte nicht damit umgehen, wenn es mehrmals innerhalb von zwei Stunden gestillt wird hält sich hartnäckig ist aber völlig unhaltbar. Das einzige was Bauchschmerzen bereiten könnte, ist eine falsche Anlegetechnik, bei der das Baby Luft schluckt. Auch Neugeborene können ihren Hunger schon selbst regeln und kund geben, das müssen wir ihnen nicht erst beibringen. Wenn es Kind Hunger hat, hat es Hunger und nicht erst zwei Stunden später, weil es gerade erst gestillt wurde. Babys wachsen enorm schnell und wenn sie in einem Schub stecken, kann es schon mal sein, dass sie alle halbe Stunde Nahrung brauchen. Das ist völlig in Ordnung!

  • Stillen ruiniert die Brust und macht Hängebrüste

Das ist nicht ganz richtig. Richtig ist, dass die Schwangerschaft die Brust verändert und je nach Veranlagung kann es sein, dass das Gewebe schlaffer wird und nicht mehr so gut in Form kommt, wie vor der Schwangerschaft – unabhängig davon, ob gestillt wurde oder nicht. Hilfreich sind einige Menstruationszyklen, die die Rückbildung fördern. Ob aber alles so wird wie vorher, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Der weiblichen Brust kann man also nicht ansehen, ob sie gestillt hat, wohl aber, ob die Frau schwanger war.

 

  • Da kommt doch nur noch Wasser!

Muttermilch ist immer perfekt auf die Ansprüche des Kindes eingestellt (vorausgesetzt die Mutter leidet keinen Mangel). Wird ein Frühgeborenes gestillt, ist die Milch besonders auf die Bedüfnisse des Kindes abgestimmt, wird ein älteres Kind gestillt, passt sich der Gehalt an Nähr- und Abwehrstoffen dem älteren Kind an. Das geht soweit, dass man beispielsweise Zwillingen je eine Brust "zuteilen" kann. Ist eines der Kinder schwächlicher als das andere, wird die Milch in dieser Brust gehaltvoller sein, als in der anderen, da eben dieses Kind "gepäppelt" werden muss. Dieses Phänomen funktioniert über Rezeptoren am Warzenhof, die Informationen aus dem Speichel des Kindes aufnehmen. Die weibliche Brust ist ein geniales Wunderwerk der Natur. Die Behauptung, es käme nach einer bestimmten Zeit nur noch Wasser, kommt häufig aus frustrierten Mündern, die selbst keinen Stillerfolg hatten und ist wissenschaftlich nicht tragbar.

  • Muttermilch nährt nicht ausreichend.

Muttermilch ist seit 300 Millionen Jahren erprobt und hat sich bewährt, sonst gäbe es uns nicht. Die WHO empfiehlt einen Säugling bis einschließlich des sechsten Lebensmonat voll zu stillen, d.h. ohne jegliche Beigabe von anderen Getränken oder Lebensmitteln (auch kein Wasser). Danach kann Beikost eingeführt werden. Beikost heißt Beikost, weil sie neben dem Stillen eine weitere Nahrungsquelle darstellt. Die unten stehende Auflistung führt sehr anschaulich den Gehalt des so gepriesenen Möhrenbreis gegenüber dem Gehalt von Muttermilch an:

"100 g gekochte Karotten - 27 kcal

100 g Gemüse und Fleisch - 50 kcal

100 g Apfel - 52 kcal

100 g gekochte Kartoffel - 65 kcal

 

100 g Muttermilch - 68 kcal"

Quelle: Dr. Carlos Gonzales, Kinderarzt, Vortrag am 13.04.02 in Basel, IBCLC Kongress

 

  • (Nächtliches) Stillen macht Karies

Leider sind auch sehr viele Ärzte von diesem Irrtum überzeugt. Oft glaubt man, alles Süße führe zu Karies und da Muttermilch ja "pappsüß" ist, verursache sie auch Karies. Hier muss zwischen den verschiedenen Zuckern unterschieden werden. Glukose und Fructose greifen in der Tat die Zähne an und können Karies fördern, Lactose, der Zucker in der Milch, hat dagegen eine antibakterielle Wirkung. Karies wird durch das Bakterium Streptokokkus mutans verursacht. Noch dazu kommt kaum Milch mit den Zähnen in Kontakt (s. Video) da die Brustwarze bis weit ans Gaumensegel reicht und direkt in den Rachen gespritzt wird. Es wäre auch paradox, wenn die Natur sich eine Säuglingsnahrung hätte einfallen lassen, die gleich die "Milchzähne" schädigt und ruiniert. Was die Milchzähne ruiniert, ist das ewige Nuckeln an Flaschen. Auch wenn sie nur mit Wasser gefüllt sind, werden die Zähne dauernd umspült und verändern so ihren pH-Wert, der normalweise vom Speichel aufrecht erhalten wird. Es gibt mittlerweile zahlreiche Studien, die widerlegen, dass Stillen Karies verursacht und die hoffentlich bald all die Kinder- und Zahnärzte erreichen, die Müttern immer noch empfehlen abzustillen, um den Kinderzähnen nicht zu schaden.

  • Ich habe zu wenig Milch

Grundsätzlich können nahezu alle Frauen (voll) stillen, wenn sie es möchten. Stillen ist aber kein Instinkt, sondern muss erlernt werden. Größe und Form der Brust und Brustwarzen sind unerheblich für die Fähigkeit zu stillen und haben auch nichts mit der Menge der Milch zu tun. Auch Frauen mit Flach- und Hohlwarzen können erfolgreich stillen! Wie viel Milch produziert wird, wird über die Nachfrage geregelt. Je öfter ein Kind angelegt wird, umso mehr Milch wird produziert. Jedes Fläschchen reduziert die Nachfrage und somit die Milchmenge. In Situationen, in denen das Stillen noch nicht eingespielt ist, kann das das Ende der Stillzeit bedeuten.

 

  • In der Muttermilch sind zu viele Schadstoffe enthalten

Die Vorteile des Stillen überwiegen etwaiger Schadstoffgehalte. Ungünstig ist es, während der Stillzeit in kurzer Zeit sehr viel abzunehmen, denn die in Fettgewebe gelagerten Schadstoffe, können in diesem Fall in die Milch übergehen. Sieht man davon ab, überwiegen aber die Nachteile und Risiken der Flaschenmilch gegenüber des Stillens.

 

  • Ich muss abstillen, denn ich fange wieder an zu arbeiten

In Deutschland gibt es ein Mutterschutzgesetz, dass auch Stillzeiten behandelt. Per Gesetz stehen stillenden, erwerbstätigen Frauen Stillpausen von zweimal 30 Minuten bzw. einmal eine ganze Stunde zu. Diese Stillpausen können während der regulären Arbeitszeit genommen werden, ohne dass sie Einfluss auf den Lohn haben dürfen. Bei einer Arbeitszeit von mehr als acht Stunden sieht das Gesetzt sogar Stillpausen von zweimal 45 Minuten bzw. einmal 90 Minuten vor.

In dieser Zeit kann das Kind von einer weiteren Person zum Stillen gebracht werden, oder man nutzt die Zeit um abzupumpen, wenn eine andere Person die Fütterung übernommen hat. Man achte in diesem Fall bitte auf ausreichende Kühlmöglichkeiten. Muttermilch hält sich im Kühlschrank nur zwei Tage (bitte ins untere oder obere Fach stellen, keinesfalls in die Tür!), tiefgefroren ist sie mehrere Monate haltbar.

Man kann sich so bereits vor Aufnahme der Erwerbstätigkeit einen Vorrat an abgepumpter Milch anlegen.

Um den Milchfluss, trotz der Stillpausen, in Gang zu halten, ist es sinnvoll mit dem Kind gemeinsam in einem Raum bzw. Bett zu schlafen, da dies die Milchbildung zusätzlich anregt und darüberhinaus die Nähe bietet, die vom Tag nachgeholt werden möchte.

 

  • Stillende Mütter müssen sehr viel trinken und müssen auf viele Speisen verzichten

Beides stimmt nicht. Zu viel Trinken lässt die Milchmenge zurückgehen. Die Frau sollte einfach nach Durstgefühl trinken, mindestens aber ein Glas Flüssigkeit pro Stillsitzung (normalweise wird aber auch ein Reflex beim Stillen ausgelöst, der starken Durst verursacht). Frau trinkt genug, wenn ihre Haut elastisch ist und ihr Urin hell ist. Milchbildungstee ist nicht notwendig und sollte wenn in Maßen genossen werden (nicht mehr als 2-3 Tassen).

Das Stillende auf Zwiebeln, blähendes Gemüse, scharfe Gewürze und säurehaltige Nahrungsmittel verzichten müssen ist nicht bewiesen. Grundsätzlich darf frau alles essen, wonach es ihr beliebt. Manche wenige Kinder reagieren tatsächlich empfindlich auf das ein oder andere Lebensmittel, das merkt man aber und kann fortan auf dieses eine Lebensmittel verzichten. In den allermeisten Fällen macht es dem Baby aber überhaupt nichts aus, ob Mama eine Zwiebelpizza isst oder Früchtetee trinkt.